
Die prachtvolle Fassade bildete einst die Südseite des ehemaligen Lebensmittelmarkts, der direkt an das Kaufhaus Hertie grenzte. Auf der Galerie im Obergeschoss lag ein Restaurant, in dem sich meine Oma samstags mittags regelmäßig mit ihren Freundinnen zum Klönschnack traf. Wann immer es möglich war, nahm sie mich mit – für mich war das jedes Mal ein kleines Highlight.
Während ich genüsslich an meinen Pommes knabberte, lehnte ich mich über das Geländer der Galerie, beobachtete das geschäftige Treiben im Markt und lauschte gleichzeitig mit halbem Ohr den Krankheitsgeschichten meiner Oma und ihrer Freundinnen. Nach dem Essen stiegen wir die Treppe hinunter und standen mitten im Kaufhaus.
Meine Augen lachten jedes Mal vor Freude beim Anblick der Warenvielfalt. Denn Hertie hatte für einen kleinen Jungen einfach alles. Mein Interesse galt natürlich in diesen Jahren der Spielzeugabteilung. Später faszinierte mich mehr der Außenbereich mit dem großen Freizeitangebot. Und immer wenn ich mich umdrehte, sah ich meine Oma.
2003 schloss Hertie seine Türen, einige Jahre später folgte der Abriss. Nur die Fassade blieb stehen. Heute bewahrt sie all meine Erinnerungen an unzählige Kaufhausbummel.